Stellungnahme des Bürger für Stadtfeld e.V. zu geplantem Poco-Neubau neben der Gieselerhalle

Stellungnahme des Bürger für Stadtfeld e.V. zum B-Plan „Klaus-Miesner-Platz“
Als Stadtfelder Bürgerverein sprechen wir uns weiterhin gegen den Bau des gelben Möbelmarktes neben der Gieselerhalle aus. Diese Haltung vertreten wir seit bekannt wurde, dass er neben das Baudenkmal gebaut werden soll. Ursprünglich sollte der Poco in die Gieselerhalle kommen und dahinter ein Anbau erfolgen, die in den Dimensionen nicht mit den jetzigen Plänen vergleichbar ist. Diese ursprünglichen Planungen waren auch Grundlage für die Entscheidung, die Gieselerhalle zu verkaufen. Diese „Geschäftsgrundlage“ ist definitiv nicht mehr gegeben, denn nun ist die zukünftige Nutzung der Halle völlig unklar und daneben soll der dem Stadtbild wenig zuträgliche Poco-Klotz direkt am Westring entstehen.

Für uns als Stadtfelder ist nicht erkennbar, welche Verbesserung mit dem der geplanten Poco-Neubau einhergehen soll. In einem Stadtteil, der von Gründerzeitbebauung und Bauwerken des „Neuen Bauens“ geprägt ist, wirkt ein Bauwerk, wie man es üblicherweise in größeren Gewerbegebieten oder auf der „grünen Wiese“ findet, wie ein Fremdkörper und stellt keine Verbesserung des Stadtbilds dar.

Unseres Erachtens nach wird mit dem geplanten Bau des POCO-Marktes dem denkmalgerechten Umgebungsschutz nicht Rechnung getragen. Größe und Aussehen des Gebäudes würden das einmalige Baudenkmal Hermann-Gieseler-Halle in einer nicht akzeptablen Art und Weise beeinträchtigen. An anderer Stelle Magdeburgs, neben der ebenfalls denkmalgeschützten Curie-Siedlung, wird Wert darauf gelegt, welche Farben (Pastelltöne) beim Bau von Einfamilienhäusern genutzt werden sollen, aber bei einem hochwertigen Kulturdenkmal wie der Hermann-Gieseler-Halle soll es keine Rolle spielen, dass ein großer, kastenförmiger Bau in einem grellen Gelbton direkt daneben gesetzt wird und teilweise sogar komplett verdecken wird.

Für die Hermann-Gieseler-Halle wird eine Reihe von Nutzungsmöglichkeiten im B-Plan aufgeführt. Alles scheint möglich. Es ist komplett offen, was in Zukunft mit der Halle passieren wird. Der Großteil der genannten Nutzungsmöglichkeiten betrifft zusätzlichen Einzelhandel in Stadtfeld. Auch das lehnen wir grundsätzlich ab. Die Stärkung der zentralen Achsen Große Diesdorfer Straße und Olvenstedter Straße hat für uns oberste Priorität. Die Schaffung von zusätzlichen Gewerbeflächen in der geplanten Größenordnung – 6.000 qm im Poco, möglicherweise bis zu 4.000 qm in der Gieselerhalle – hätte ohne Zweifel einen negativen Einfluss auf die beiden Stadtfelder Geschäftsstraßen, die schon jetzt unter Leerstand und den infrastrukturellen Mängeln leiden. Auch ein negativer Einfluss auf den nicht erst seit der Corona-Krise gebeutelten Innenstadthandel ist ebenfalls zu befürchten.

Die Wahrscheinlichkeit, dass in die Hermann-Gieseler-Halle Einzelhandel reinkommt, ist sehr hoch. Die Festsetzungen im B-Plan lassen dahingehend alles offen. Grundsätzlich ist das zwar auf Grundlage der BauNVO so möglich, spiegelt aber das höchst lapidare Verhältnis zum Kulturdenkmal wieder. Das setzt sich letztendlich in der Begründung zum B-Plan fort. Während der Poco-Markt mit umfänglichen Plandarstellungen vertreten ist, wird die Hermann-Gieseler-Halle dagegen mit 3 Fotos abgefertigt.

Die Begründung ist für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan damit unvollständig. Unter den besonderen Gegebenheiten, welche sich nicht nur aus dem Gebäude selbst sondern auch aus dem Nebeneinander eines Denkmals und eines Neubaus an diesem Ort ergeben, ist es unerlässlich, gerade die Darstellung der Halle zu konkretisieren. Die derzeit dargestellten Nutzungsmöglichkeiten sollen dem Investor eine größtmögliche Flexibilität bei der Sanierung und Umnutzung der Halle ermöglichen, da derzeit aufgrund der Beschränkungen durch Belange der Stadt (Nutzung der Halle für Sportzwecke, Herstellung notwendiger öffentlicher Erschließungsanlagen) nicht klar ist, wann der Investor überhaupt in die Lage versetzt ist, seine Vorhaben umzusetzen.

Nun soll mit Macht ein B-Plan durchgeboxt werden, der an sich noch gar nicht entscheidungsreif ist. Die Hermann-Gieseler-Halle ist in dem ganzen Szenario das „fünfte“ Rad am Wagen. Es gibt bundesweit genügend Beispiele aus anderen Verfahren, in denen gerade bei Denkmalen eine Nutzungsfestschreibung zum Satzungsbeschluss als unabdingbar angesehen wurde, selbst wenn es sich dabei noch nicht einmal um ein so bedeutendes wie die Hermann-Gieseler-Halle handelte.

Was die Zufahrt über die Wilhelm-Kobelt-Straße angeht, wäre eine Festsetzung, dass eine Nutzung erst nach Schaffung der neuen Straße und der Asphaltierung der kompletten Schlachthofstraße möglich ist, auf jeden Fall erforderlich. Auch dieser Belang kann, genauso wie die Nutzungsfestschreibung zur Hermann-Gieseler-Halle, nicht allein dem vor Rechtskraft des B-Plans noch abzuschließenden Durchführungsvertrag überlassen bleiben.

Abschließend sei gesagt, dass die ganze Planung des Bereichs südlich der Liebknechtstraße seit vielen Jahren eine Katastrophe ist. Statt einer sinnvollen gesamtheitlichen Planung dieses neuen Teils von Stadtfeld (inkl. einer respektvollen Beachtung der dort befindlichen Baudenkmale) haben wir einen Flickenteppich, der mit Stadtplanung nur noch wenig zu tun hat. Aber das lässt sich nun leider nicht mehr ändern. Man kann aber noch Entscheidungen treffen, die zumindest die Kollateralschäden verringern: Kein Einzelhandel in der Hermann-Gieseler-Halle und kein gelber Poco-Klotz in Stadtfeld!

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