Spielende Kinder oder parkende Autos

Volksstimme vom 05.02.2011
Volksstimme vom 05.02.2011
Die GWA-Sitzung in Stadtfeld am vergangenen Donnerstag war „teilweise humorvoll, aber auch anstrengend“, so das Urteil einer Anwesenden. Befürworter und Gegner des von der GWA initierten Kleinkindspielplatzes an der Agricola-Straße lieferten sich einen schwungvollen Schlagabtausch. Am Ende bleibt: Ein Parkplatz ist für manche wichtiger als ein spielendes Kind.

Der Konflikt war mit Ansage. Die AG Gemeinwesenarbeit (GWA) des Stadtteils hatte am Donnerstagabend in das Haus des CVJM eingeladen, um mit den Stadtfeldern über den von ihr geplanten und unterstützten Kleinkindspielplatz an der Martin-Agricola- Straße zu diskutieren.

Junge Eltern waren eingeladen, ebenso die Gegner des Projekts – alles Anwohner der unmittelbaren Umgebung. Noch während GWA-Sprecher Jürgen Canehl die Entstehung des Projekts erläuterte, hielt es die vehementeste Kämpferin für Ruhe und Frieden kaum auf ihrem Stuhl. Mit Zwischenbemerkungen unterbrach sie des Öfteren den Vortrag Canehls. Als dieser schließlich beendet war und die Diskussion freigegeben war, gab es kein Halten mehr.

Die Argumente, die gegen den Spielplatz sprächen, sprudelten förmlich aus der resoluten Dame heraus: Ratten im Sandkasten, randalierende Jugendliche in der Nacht, zu nahe Mülltonnen, lärmende Kinder und überhaupt bräuchte man hier eher Parkplätze als einen Spielplatz. Unterstützung bekam sie von Volker Nakel und drei weiteren Anwohnern aus dem Agricola-Block und der Wilhelm-Klees-Straße. Ihnen ging es aber hauptsächlich um die Parkplatzproblematik.

Der Verwalter des Agricola- Blocks hatte den Mietern Stellplätze auf einer Fläche am nördlichen Ende der Straße angeboten. Die 35 Euro dafür wollte aber kaum einer zahlen. Das müsse man heutzutage aber machen, wenn man den Luxus eines Stellplatzes haben möchte, so die Antwort der Pro-Spielplatz- Fraktion.

Dass ein Parkplatzproblem in Stadtfeld bestehe, wollte auch keiner abstreiten. Nur könne die GWA oder die Stadt daran nichts ändern, das sei Sache der Vermieter.

Die anderen Teilnehmer der GWA-Runde versuchten ruhig und sachlich den vorgebrachten Argumenten entgegenzutreten, kamen gegen den energischen Auftritt der Wohnungseigentümerin aber kaum an. Von „manierlosem Rumgekeife“ war die Rede.

„Zwischen den Blöcken sind doch bereits kleine Spielplätze“, war ein weiteres Argument. Doch diese sind privat, Nichtmieter haben dort keinen Zutritt. Zudem würden sich sogar dort die Mieter über die Kinder beschweren, wusste eine Anwohnerin.

Streetworker Jürgen Genzmann, der seit Jahren mit den Jugendlichen im Stadtteil arbeitet, versicherte den besorgten Gegnern, dass solch ein geplanter Kleinkindspielplatz für diese nicht attraktiv sei. „Das Müllplatzproblem müsse allerdings gelöst werden“, war er der Meinung. Jürgen Canehl, der angesichts der energischen Opposition zwischenzeitlich auch emotionaler wurde, bat jedoch darum, die Kirche im Dorf zu lassen: „Hier wird doch kein Kind von einer Ratte angeknabbert.“

Liane Kanter vom Spielwagen e.V. merkte als Stimme der Vernunft an, dass „es doch wohl schöner ist, auf spielende Kinder als auf parkende Autos zu schauen“. „Für die Schenkung sollte man dankbar sein. Außerdem ist das Geld für einen Spielplatz da, warum also nicht dort“, ergänzte Claudia Kuhn vom CVJM-Team.

Fazit nach fast zweistündiger Diskussion: Deren Ende ist nicht in Sicht. Jürgen Canehl versprach, die Bedenken der Anwohner bei den weiteren Planungen nicht unter den Tisch fallen zu lassen. (Volksstimme vom 05.02.2011)

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