Diskussion zur Zukunft der Gieselerhalle und geplantem Neubau in der Nachbarschaft

Der Stadtfelder Bürgerverein hat am 13.02.2018 zu einer Diskussionsrunde zur Zukunft der Hermann-Gieseler-Halle in die Begegnungsstätte des Kneipp-Vereins Magdeburg eingeladen. Auf dem Podium stellten sich Stadtplanungsamtleiterin Heide Grosche, Projektentwickler Rolf Onnen, der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses, Dr. Falko Grube, und Jürgen Canehl, Uwe Thal und Thomas Opp vom Verein „Bürger für Stadtfeld“ den Fragen und Anregungen der anwesenden Bürgerinnen und Bürger.

In einer lebhaften und emotionalen Debatte wurde klar, dass allen das einzigartige Baudenkmal wichtig ist, nur der Weg zur Rettung über den neuen Poco-Möbelmarkt in der direkten Nachbarschaft der Halle nicht alle überzeugt. Insbesondere die geplante Höhe von 15 Metern lässt viele befürchten, dass die Gieselerhalle in Zukunft wortwörtlich ein Schattendasein fristen könnte. Sorgen bereitet auch die noch immer ungeklärte Frage nach der zukünftigen Nutzung der Gieselerhalle selbst und die Anbindung von Kunden- und Lieferverkehr.

Wird der geplante 15 Meter hohe Poco-Neubau dem denkmalrechtlichen Umgebungsschutz gerecht?

Im aktuell ausgelegten vorhabenbezogenen Bebauungsplan ist der Poco-Neubau westlich der Hermann-Gieseler-Halle entlang der Westringbrücke vorgesehen. Das Gebäude soll 130 Meter lang, 52 Meter breit und 15 Meter hoch werden. Dimensionen, die ohne Zweifel optisch die Umgebung dominieren werden und Fragen zum denkmalrechtlichen Umgebungsschutz aufwerfen. In der Diskussionsrunde argumentierte Projektentwickler Rolf Onnen, dass die „Schokoladenseite“ des Baudenkmals die Ansicht von der Wilhelm-Kobelt-Straße aus und das Innere der Halle wären und genau diese durch die Sanierung der Halle aufgewertet würden. Das mag zwar richtig sein, ändert aber nichts an der Tatsache, dass man die Gieselerhalle von der Westringbrücke aus nicht mehr sehen könnte. Dabei wäre genau von dort aus eine Komplettansicht auf das Bauwerk inklusive dem sanierten Dach möglich.

Die Sorgen um die Dominanz des Neubau aufnehmend, gab es auch Vorschläge, die Architekur des Gebäudes an die Umgebung anzupassen. So wären beispielsweise eine mehrstufige Architektur statt eines monolithischen Blocks denkbar. Eine Dach- und/oder Fassadenbegrünung wären eine Aufwertung, die auch einen ökologischen Mehrwert für die Umgebung hätte.

Trafohäuschen verhindert Bau südlich der Halle

Im ersten Vorhabenplan war noch der Bau des Poco-Möbelmarktes südlich der Hermann-Gieseler-Halle vorgesehen. Auf der Basis dieses Vorhabenplanes wurde Anfang 2017 der Verkauf der Halle an den Investor vom Stadtrat beschlossen. Nach Angaben von Projektentwickler Rolf Onnen steht hier aber ein Trafohäuschen der MVB einer Realisierung im Wege. Eine Umsetzung des Trafohäuschens würde nach seinen Angaben 1,5 Millionen Euro kosten. Zu teuer für das ohnehin schon kostspielige Projekt. Insgesamt geht es für den Investor, die Steinhoff Familienholding GmbH, um ein Gesamtinvestitionsvolumen von 50 Millionen Euro für den Poco-Markt, die Sanierung der Gieselerhalle und den Bau eines Pflegeheimes an der Ecke Kobeltstraße/Liebknechtstraße. Dennoch wurde angeregt, auch die Variante eines Baus südlich der Halle und ggf. die Umsetzung des Trafohäuschen noch einmal zu prüfen.

600 Parkplätze und Lieferverkehr

Es ist geplant, rund um die Gieselerhalle herum 600 Parkplätze bereitzustellen. Weit mehr als im ersten Vorhabenplan angegeben. Es ist also zumindest teilweise mit einem hohen Verkehrsaufkommen durch Kunden des Marktes zu rechnen. Um dem gerecht zu werden, sollen neben der Kobeltstraße über eine neue Verbindung auch die Straße „Am Handelshof“, die Schlachthofstraße und eine neue Straße zwischen Gieselerhalle und dem Schlachthofgelände für den Kundenverkehr genutzt werden. Das würde zumindest den Verkehr innerhalb des Viertels aufteilen. An einer zusätzlichen Belastung für in Stoßzeiten eh schon gut gefüllte Liebknechtstraße ändert dies freilich nichts. Nähere Untersuchungen oder Kalkulationen dazu liegen nicht vor, sind aus Sicht des Stadtfelder Bürgervereins aber dringend notwendig.

Zum Kundenverkehr kommt auch noch der erwartete Lieferverkehr von einem LKW pro Stunde. Es ist geplant, den Lieferverkehr über die Schlachthofstraße und dann südlich entlang der Bahngleise zu führen. Das würde die Kobeltstraße entlasten, denn hier sind auch der Neubau der Grundschule „Am Westring“ und ein Pflegeheim geplant. Anlieger der Schlachthofstraße wiesen darauf hin, dass die größtenteils noch mit Kopfsteinpflaster ausgestattete Straße in einem schlechten Zustand ist und erneuert werden müsste.

Zukünftige Nutzung der Gieselerhalle noch unklar

Bis spätestens Ende 2021 soll die Hermann-Gieseler-Halle noch wie bisher genutzt werden. Bis dahin soll der Ersatzneubau am Lorenzweg fertig sein. Wie die Halle danach genutzt werden soll, liegt aber noch völlig im Dunkeln. Fest steht: Das sanierungsbedürftige Baudenkmal soll denkmalgerecht saniert wird. Dazu hat sich der Investor beim Kauf verpflichtet. Dabei sollen auch „alte Wunden“, die durch den Umbau zur Sporthalle in den 50er-Jahren entstanden sind, geheilt werden. Ohne Zweifel ein lobenswertes Ansinnen des Investors, das von allen Teilnehmern der Diskussionsrunde gewürdigt wurde. Eine Hängepartie wie z.B. bei der Hyparschale würde dem Baudenkmal nur schaden und könnte auf lange Sicht das Ende der Gieselerhalle bedeuten.

Die vorgeschlagene Nutzung als Markthalle oder „Basar“ wird von vielen aufgrund der dezentralen Lage und der wahrscheinlich geringen Laufkundschaft skeptisch gesehen. Obwohl es auch Stimmen gab, die Chancen für einen Markt mit regionalen Produkten sehen.

Bürgerbeteiligung zum ausgelegten Bebauungsplan noch bis 22. Februar 2018 möglich

Wie bei jedem Bebauungsplan so ist es den Bürgerinnen und Bürgern auch in diesem Fall möglich, Stellungnahmen bzw. Einsprüche innerhalb der Auslegungsphase beim Stadtplanungsamt einzureichen. Die Frist dafür endet am 22.02.2018, erklärte Stadtplanungsamtleiterin Heide Grosche. Der Stadtfelder Bürgerverein wird von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Die Stellungnahme werden wir ebenfalls auf dieser Internetseite veröffentlichen.

Presse-Echo in der Volksstimme vom 15.02.2018:
„Streit um Magdeburger Gieselerhalle“

„Ungeteiltes Wohlwollen war es nicht, das Rolf Onnen bei der Veranstaltung des Vereins Bürger für Stadtfeld zur Zukunft der Hermann-Gieseler-Halle in Magdeburg in den Räumen des Kneippvereins entgegenschlug. Neben der Halle soll ein Poco-Möbelmarkt der europaweit agierenden Steinhoff-Gruppe gebaut werden.“

Mehr in der Volksstimme vom 15.02.2018

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.