Rotstiftalarm befeuert Debatte um Jugendarbeit – Stadtfelder Einrichtungen bereits am Limit

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Volksstimme vom 29.11.2012
Volksstimme vom 29.11.2012
Die Zukunft der Kinder- und Jugendarbeit in Stadtfeld steht aus Sicht der GWA auf dem Spiel. Angesichts nachwachsender „Kundschaft “ ist das Angebot viel zu gering. Die Stadt hält aber am Sparkurs fest.

Ein heißes Thema hatte sich die Arbeitsgruppe Gemeinwesenarbeit (GWA) Stadtfeld- Ost am Dienstagabend auf die Tagesordnung gesetzt. Wie es der Haushaltsansatz für das Jahr 2013 vorsieht (siehe Seite 13), wird in den Jugendklubs der Stadt wieder der kollektive Rotstift angesetzt. Nach den 547 000 Euro im vergangenen Jahr sollen nun erneut 470 000 Euro eingespart werden. Dabei brauche man doch mehr Angebote, vor allem in Stadtfeld- Ost, so der Diskussionsansatz der GWA.

Denn sei man doch bereits jetzt vielfach am Limit oder darunter, lautet die Kritik der Leute vor Ort. Streetworker Jürgen Genzmann berichtete, dass zwei Festangestellte ein Kinder- und Jugendhaus doch nur noch „überwachen“ können, für inhaltliche Arbeit bliebe keine Zeit. Liane Kanter vom Spielwagen e.V. unterstrich: „Die Ressourcen sind einfach nicht da.“ Um das Basisangebot aber aufrechtzuerhalten, sollen zwei Stellen ausreichen, hielt Ingo Gottschalk entgegen, nur bei entsprechendem Bedarf würde eine dritte Stelle infrage kommen.

Als Leiter der verantwortlichen Stabsstelle Jugendhilfe-, Sozial- und Gesundheitsplanung stand er auf der GWASitzung, die angesichts der Diskutanten einem verkleinerten Jugendhilfeausschuss glich, auf verlorenem Posten. „Ihr angeblicher Anspruch auf mehr Angebote ist nicht nachvollziehbar“, erklärte er. Mit vier Einrichtungen sei man in Stadtfeld-Ost doch gut aufgestellt.

Dass diese seit Jahren bestehen, die Einwohnerzahlen aber beständig steigen, werde dabei jedoch ignoriert. „Außerdem sind wir verschiedene Einrichtungen mit verschiedenen Angeboten, die unterschiedliche Zielgruppen ansprechen“, unterstrich Claudia Kuhn vom CVJM. Es sei nötig, zusätzliche Angebote zu schaff en, da sich nach Meinung der GWA-Gruppe die Lage in den kommenden Jahren verschärfen wird. Die Zahl der jüngsten Stadtfelder bis 5 Jahre ist mit 1 650 Kinder gut doppelt so hoch wie die älteren Gruppen. Laut Ingo Gottschalk nutzen aber nur 7 bis 13 Prozent der 6- bis 27-Jährigen die Angebote einer Jugendeinrichtung in Magdeburg. „Es stehen also keine Schlangen vor Ihrer Tür“, meinte er. „Sie müssen daran denken, wenn Sie für Stadtfeld mehr fordern: Wenn ich am Tischtuch ziehe, wird ein anderes Gebiet völlig nackig“, erklärte er salopp.

„Es geht aber nicht nur um neue Einrichtungen, sondern auch um Treff punkte im Freien wie Bolzplätze“, bekräftigte Claudia Kuhn vom CVJM. Es reiche jedoch nicht, nur eine Bank hinzustellen, ergänzte Jürgen Genzmann und lobte das kleine Basketballfeld am Europaring, das bei seinen Jugendlichen sehr gut ankommt.

„Für die meisten Jugendlichen lohnt es sich aber bei dem Angebot doch gar nicht, rauszugehen“, meinte er resigniert. Dort setzte auch Ronald Mainka vom Stadtjugendring an: „Die Förderung im öff entlichen Raum ist wichtig. Wir dürfen die Jugendlichen nicht irgendwo verstecken.“

Einen kleinen Hoff nungsschimmer gibt es immerhin in der aktuellen Kürzungsrunde: Der Finanzausschuss empfiehlt dem Stadtrat, die 470 000 Euro an anderer Stelle als im Sozialbereich einzusparen. Am 10. Dezember wird darüber abgestimmt.

(Volksstimme vom 29.11.2012)

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