Ein sicherer Schelli soll an Vorschriften scheitern

eingetragen in: GWA, Presse, Schellheimerplatz | 0
Volksstimme vom 05.07.2012
Volksstimme vom 05.07.2012
Die GWA Stadtfeld-Ost diskutiert über mehr Sicherheit am Schellheimerplatz. Konstruktive Vorschläge wie Zebrastreifen und Einbahnstraßen sollen aber am Paragrafenstarrsinn scheitern.

Schon vor Sitzungsbeginn hat Margit Borowski vom Ordnungsamt vor dem Kinder- und Familienzentrum „Emma“ gut zu tun. Direkt davor stehen die Pkw im Parkverbot, blockieren den abgesenkten Bordstein und damit ältere Menschen mit Rollator oder Mütter mit Kinderwagen. Auch in der Bilderschau zu Beginn der Veranstaltung, zu der die AG Gemeinwesenarbeit (GWA) Stadtfeld-Ost Anwohner und Behördenvertreter eingeladen hatte, wird das Ausmaß des Wildparkens sichtbar. Aber nicht nur das ist ein Problem, sondern auch das Fehlen sicherer Übergänge zur viel genutzten Spielplatzinsel.

Tom Bruchholz, Anwohner und Vater, meint dazu: „Meine Tochter könnte mit acht Jahren theoretisch alleine hingehen. Durch die Insellage ist das jedoch viel zu gefährlich.

„Durch die Insellage können Kinder nicht gefahrlos zum Spielplatz. Das Überqueren der Straße wird zum Abenteuer.“ (Tom Bruchholz)

Das Überqueren der Straße wird zum Abenteuer.“ Auch wenn laut Jens Behrendt, Kontaktbeamter der Polizei, keine Zusammenstöße mit Kindern aufgenommen wurden, müsse man handeln, meint auch Liane Kanter vom Spielwagen e.V., Träger der „Emma“. „Es muss ja nicht sein, dass erst etwas passiert“, sagt sie. Doch was tun?

„Es muss ja nicht sein, dass erst etwas passiert.“ (Liane Kanter)

Michael Ratzel, Gruppenleiter beim Ordnungsamt, rechnet vor, dass häufigere Kontrollen schlicht nicht möglich sind: „Für ganz Stadtfeld habe ich nur zwei Kollegen. Die sind wenigstens zweimal täglich am Schelli.“ Seine Frage an die GWA-Runde: „Mehr Knollen oder abschleppen?“ Darüber ist man geteilter Meinung. GWASprecher Jürgen Canehl ist für Abschleppen, Stadtratskollege Klaus Kutschmann glaubt nicht, dass dies das Parkproblem löst: „Wir sollten nicht Angst und Schrecken verbreiten.

„Wir sollten durch Abschleppen nicht Angst und Schrecken verbreiten. Die Leute parken aus Verzweifl ung so.“ (Klaus Kutschmann)

Die Leute parken doch aus blanker Verzweifl ung so.“ Ein Anwohner bestätigt das. Teilweise muss er sein Auto bei Kaufl and abstellen und zurück in die Winckelmannstraße laufen. Schwierig sei aber auch, dass viele Leute nicht bereit sind für einen Stellplatz zu bezahlen. Sonst könnte man gleich eine Tiefgarage unter den Spielplatz bauen.

Den GWA-Vorschlag, aus dem Schellheimerplatz einen verkehrsberuhigten Bereich zu machen, greift auch Oliver Wendenkampf auf. Dann müssten die Autofahrer vorsichtiger fahren, weil sie bei einem Unfall generell schuld seien. Sven Nordmann, vierter Stadtrat im „Schellibunde“, erinnert daran, dass das „wilde Parken“ auch einen Vorteil habe. Durch die Hindernisse würde der Verkehr automatisch ausgebremst. Er plädiert schließlich für die simpelste aller Lösungen: Zebrastreifen.

Anwohner Joachim Kirmis hatte sich im Vorfeld reichlich Gedanken gemacht und kommt mit Skizze ausgerüstet. Sein Vorschlag: Ein Ringverkehr rund um den Schelli mit Einbahnstraßen, wie am Moritzplatz. Auch Querungshilfen, „Verkehrsnasen“ und Parkuhren werden genannt.

Nachdem die GWA-Runde ihren „bunten Strauß an Maßnahmen“ gebunden hat, schlägt das Amt in Gestalt von Stadtplaner Dirk Polzin zurück. Prinzipien- und paragrafentreu seziert er jede einzelne Idee und konstatiert sinngemäß: „Geht nicht. Bringt nichts.“ Im verkehrsberuhigten Bereich ist das Parken nur in speziell markierten Bereichen möglich. Richtet man die ein, fallen Stellplätze weg. Außerdem müssten alle Bordsteine abgesenkt werden. Die Kosten dafür: immens. Ein Einbahnstraßensystem birgt die Gefahr, dass Autofahrer stärker aufs Gaspedal treten. Außerdem soll damit laut Vorschrift deren Sicherheit erhöht werden. Am Schelli stehen aber die Kinder im Mittelpunkt. Denen spricht Polzin auch jegliche Kenntnis über den Zebrastreifen ab. „Die wissen nicht, dass sie erst den Blickkontakt zum Autofahrer suchen müssen“, erklärt er. Am Ende verspricht Jürgen Canehl, sich als Stadtrat dafür einzusetzen, einige Ideen mit der Verwaltung umzusetzen.

(Volksstimme vom 05.07.2012)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.